Kastration von Häsinnen - ein Rückblick (26.12.2010)

Ich habe alle Häsinnen kastrieren lassen. Manche ganz jung (< 1 Jahr), manche älter (5 Jahre), aber alle prophylaktisch. Keine der Häsinnen hatte bereits Krebs. Und doch sind 2 Häsinnen (wahrscheinlich Schwestern) trotz Kastration an Krebs an der Milchleiste in Alter von 7 bzw. 8 Jahren erkrankt.

Bei Hunden gibt es wissenschaftliche Beweise, dass eine Kastration vor der ersten Läufigkeit die Entstehung von Mammatumoren signifikant senkt. Bei Katzen hingegen macht der Zeitpunkt der Kastration keinen Unterschied bei der Krebsrate. Ich denke, bei Kaninchen ist es wie bei Katzen: Eine prophylaktische Kastration senkt insgesamt das Krebsrisiko, kann es aber nicht gänzlich verhindern. Aber eine Kastration in jungen Jahren ist meiner Meinung nach eine sinnvolle Maßnahme. Ich empfehle es im Alter von 1-2 Jahren durchzuführen, dann sind die Tiere ausgewachsen und verkraften die Narkose besser, als wenn sie schon älter sind.

Erfahrungsbericht weibl. Kastration (update 2007)

Kastration ja oder nein?
Die Entscheidung, ob eine Kaninchendame kastriert wird oder nicht hat sich in den letzten Jahren einem gewaltigen Umdenken unterzogen. Noch vor 3-4 Jahren hat man nur im Ausnahmefall kastriert – nun geht die Empfehlung generell zur Kastration ab einem Alter von ca. 9 Monaten (Prävention). In den USA werden fast alle weiblichen Kaninchen zur Vermeidung von Gebärmuttertumoren kastriert. Hier in Deutschland geht der Trend auch zu dieser Vorsorge, nicht zuletzt deswegen, weil Krebserkrankungen nun häufiger diagnostiziert werden. Es gibt aber auch die Kastration als Behandlungsmöglichkeit bei andauernder Brunst oder Scheinträchtigkeit. Meistens gehen diese Verhaltensauffälligkeiten mit einer Überproduktion von Gelbkörperhormonen in den Eierstöcken einher. Manchmal sind weibliche Tiere danach auch verträglicher.
Eine Kastration kann akut bzw. aus medizinischen Gründen notwendig werden, wenn tastbare oder optisch (durch Ultraschall ect.) erkennbare Veränderungen an den weibl. Geschlechts-Organen aufgetreten sind. Hierbei handelt es sich oft um Eierstock- bzw. Gebärmutterzysten, Aussackungen an der Gebärmutter oder Geschwulste/Tumore. Es gibt sehr viele Kaninchen im Alter von 6-8 Jahren, die diese OP gut überstanden haben und noch ein schönes Leben führen können bzw. konnten.

Was ist eine Kastration?
Bei der Kastration einer Häsin werden die weiblichen Geschlechtsorgane (Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutter) entfernt. Bei jungen Tieren ohne krankhaften Befund werden manchmal auch nur die Eierstöcke und Eileiter entfernt. Die Gebärmutter trocknet dann ein und wird vom Körper resorbiert. Der Eingriff ist dann nicht ganz so groß. Es ist in beiden Fällen ein chirurgischer Eingriff mit Bauschschnitt. Entweder werden innenliegende Fäden oder eine aussenliegende Naht angewandt. Neben des Risikos der OP an sich besteht auch das Narkoserisiko. Diese Risiken können aber minimiert werden, in dem man vorher und sorgfältig einen kompetenten Tierarzt aussucht, der die OP mit moderner Narkosetechnik (Gasnarkose) durchführt. Kaninchenkastrationen (weibl.) sind ein kniffeliger chirurgischer Eingriff, der nur von einem Tierarzt durchgeführt werden sollte, der das schon öfter und erfolgreich gemacht hat. Deshalb: Vorher informieren und dann ggf. den Eingriff nicht beim Haustierarzt, sondern beim Spezialisten durchführen lassen. Die Preise bewegen sich in der Regel zwischen 100 und 180 € - je nach Region, Umfang des Eingriffes, Narkoseart, Nahtmaterial ect.
Zusätzliche Kosten können entstehen, wenn Veränderungen an den Organen zu sehen waren und Gewebeproben eingeschickt werden müssen.

Wie funktionierts?
Am Vorabend der OP sollte darauf geachtet werden, dass die Kaninchendame ordentlich frisst. Außerdem sollten Vorkehrungen für die Unterbringung nach der OP bereits getroffen werden und genügend Futter zum eventuellen Zwangsernähren im Hause vorrätig sein. Ein paar Tage häusliche Anwesenheit sind meiner Meinung nach Bedingung, um allen Eventualitäten gewachsen zu sein. Somit bietet sich hier der Donnerstag oder Freitag an. So große OPs sollten möglichst nicht in den heissen Sommertagen durchgeführt werden.
Am Tag der OP ist darauf zu achten, dass morgens noch ausreichend gefressen wird, und alles für den Transport bereit steht. Sinnvoll ist es an dem Morgen bereits ein Schmerzmittel zu verabreichen und dem Tierarzt das natürlich auch mitzuteilen!
Man sollte auch rechtzeitig zum OP-Termin beim TA sein. Nichts schadet mehr als Stress, wenn man „auf den letzten“ Drücker in die Praxis stürmt.
Die OP an sich läuft für das Kaninchen weniger belastend ab, wenn der Tierarzt eine Inhalationsnarkose (mit Isofluran) verabreicht. Die Tiere wachen schneller auf und sind nicht so lange benommen. Wichtig ist auch, dass der Tierarzt ein Schmerzmittel nach der OP gibt, sofern man es nicht selbst vorher schon gemacht hat. Die Tiere leiden sonst unnötig –zusätzlich zu den Strapazen der OP- unnötig noch Schmerzen. Bitte lasst Euch vorsichtshalber ein Schmerzmittel (z.B. Metacam) mitgeben, erfahrungsgemäß treten noch bis 2-3 Tage nach der OP Schmerzen auf.

Versorgung zuhause:
Zuhause angekommen sollte dem Kaninchen Rotlicht angeboten werden. Bitte gebt dem Kaninchen auch Gelegenheit das Licht und die Wärme zu meiden, wenn es das möchte. Also nur eine Ecke anstrahlen Der Kreislauf ist meist noch ziemlich down. Das Kaninchen sollte aber innerhalb der nächsten 2-3 Stunden wieder zu fressen anfangen. Bitte hierfür appetitanregende Petersilie oder Möhrengrün anbieten. Normalerweise wird das gerne angenommen. Sollte nicht gefressen werden, ist mit der Zwangsernährung zu beginnen. Bedenkt bitte, dass seit OP-Beginn die Verdauung dann nicht mehr mit Futter versorgt wurde. Kaninchen haben ein Stopfmagen-System. Nur wenn kontinuierlich neue Nahrung folgt, kann die Verdauung funktionieren. Zwangsernährung kann man mit Möhrenbrei und Vita-Spezial senior (Vitakraft) oder Critical Care (spezielle Nahrung vom Tierarzt). Bitte nicht zu spät damit beginnen, da das von der OP geschwächte Tier nicht auch noch Verdauungsprobleme gebrauchen kann.

Die OP-Wunde muss nun mehrmals täglich kontrolliert werden. Das macht man am besten durch Betrachten und Kontrolle der Hauttemperatur mittels Handrücken (gewaschene Hände!). Der Bauch kann etwas wärmer sein, darf sich aber nicht heiß anfühlen, und die Wunde muss trocken sein und darf nicht nässen. Die OP- Wunde sollte möglichst nicht mit Dreck, Schmutz oder Einstreu in Verbindung kommen. Bei innenliegenden Nähten ist keine besondere Vorsicht geboten, bei außenliegenden Fäden schon. In dem Fall empfehle ich Handtücher in den Käfig und oben darüber Malerkrepp zu legen. Außenhaltung ist nicht möglich bis etwa 3-4 Tage nach dem Fäden ziehen. Die Gefahr des Fliegenmadenbefalles ist zu groß. Tierärzte sprühen gerne Silberspray auf die Naht. Das hat den Nachteil, dass Frottee-Handtücher leicht festkleben. Ein Verband oder eine Halskrause lehne ich persönlich ab. Sollte jedoch die Kaninchendame an den Fäden manipulieren, kann es sein, dass man doch Vorsichtsmaßnahmen (Body überziehen, Wundspray) ergreifen muss.

Als Komplikation können Wundheilungsstörungen auftreten. Kleinste Pöckchen können beginnende Abszesse sein. Bitte bei Auffälligkeiten sofort zum Tierarzt gehen. Das gleiche gilt für offensichtliches Unwohlsein und Kreislaufprobleme. Wünschenswert ist, wenn der Tierarzt im Notfall zur Verfügung steht. Alternativ sollte vorher der reguläre Notdienst bekannt sein.

Normalerweise ist nach 1-3 Tagen wieder ein ganz normales Fressverhalten und Befinden festzustellen. Die Fäden werden nach 10 Tagen gezogen und dann ist alles wieder wie vorher. Das neue Fellwachstum am Bauch kann schnell gehen (unter Umständen schon bis zum Fäden ziehen), aber auch bis zu 6 Monaten dauern.

Fazit:
Persönlich habe ich bisher 9 weibl. Kastrationen durchführen lassen. Eigene Tiere (5) und auch fremde Tiere im Auftrag. Ich habe 3 Tierärzte getestet und war bei allen vom Behandlungsergebnis zufrieden.

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Auf einer der interessantesten und kompetentesten Seiten im Internet ist gut nachzulesen, warum die Kastration von Häsinnen sinnvoll ist.

Den gesamten Text stelle ich nachstehend hier herein.

Am interessantesten ist der Teil "Ann NY Acad. Sci. 75:535-542 Green, 1958."
Die Verfasserin beobachtete und analysierte eine Kaninchenkolonie über einen Zeitraum von 8-10 Jahren. Alle Tiere wurden nach ihrem Tod obduziert. 16.7% von 849 Kaninchen hatten Gebärmutterkrebs. Das durchschnittliche Alter der Tiere lag über 4 Jahren. (Vergleichbare, andere Studien haben bisher meist junge Laborkaninchen als Grundlage für die Auswertung genommen - also nicht wirklich die Realität) Die Tumorbildung in der Kaninchen-Kolonie hingen stark vom Alter ab. Bei Kaninchen die zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr eingingen, lag die Krebsrate bei 4.2%. Bei Kaninchen zwischen 5-6 Jahren lag sie bei 79.1% .


Das bedeutet: Die Kaninchen müssen zwar nicht an dem Krebs gestorben sein, aber sie waren davon befallen. Da sich deutsche Kaninchen sicher nicht signifikant von den Artgenossen vom anderen Kontinent unterscheiden, sollten Besitzer von älteren Häsinnen besonders aufmerksam sein. Eine Kastration ist auch bei älteren Tieren eine Überlegung wert - bei jüngeren Tieren eigentlich keine Frage....

Gesamter Text:
Uterine Cancer
Toft, J. D. 1992. Commonly observed spontaneous neoplasms in rabbits, rats, guinea pigs, hamsters, and gerbils. Semin. Avian Exotic Pet Med 1:80.

The Biology of the Laboratory Rabbit, 1994 edition.

TBLR provides the following information. Adenocarcinoma of the uterus is the most frequently encountered neoplasm of the rabbit. Ingalls (J. Natl. Cancer Inst. 33:799-806. 1964) showed that 11 of 12 rabbits developed uterine carcinoma. Because of the number of rabbits developing carcinoma many researchers looked into the possibility of estrogen being carcinogenic. There was quite a bit of conflicting data, and the authors draw this conclusion "Data is extremely difficult to interpret because of the naturally high incidence of adenocarcinoma of the uterus in untreated rabbits."

Later, "Notwithstanding heredity as a factor, the incidence of uterine carcinoma has been noted to exceed 50% in certain colonies of random bred females kept past 5-6 years."


Ann NY Acad. Sci. 75:535-542 Green, 1958.
This is perhaps the best article, and probably where everyone gets the often quoted 80% figure. Greene monitored a colony of rabbits over a long period of time (8-10 years). All rabbits dying from whatever causes were necropsied. 16.7% of 849 rabbits were found to have uterine adenocarcinoma. The average age of the colony was greater than 4 years, which is important, because most lab rabbits are under 24 months of age. The tumor incidence in Greene's colony was very closely linked to age. In rabbits dying between 2 and 3 years of age the incidence of cancer was 4.2%. In rabbits 5-6 years of age the incidence is 79.1% (the mythical 80%). Note: these rabbits did not necessarily DIE from the cancer, but there were tumors after their death.

We don't know what the different causes of death were, but they are listed as "natural". The incidence of cancer in males and females is about the same in rabbits under two years of age, after that, the incidence in females dramatically increases over the males, primarily due to uterine cancer.

We found the article in _TBLR_ because it was referenced in a journal that claimed that the incidence of cancer was somewhere between 1 and 4% in rabbits. That low figure was compiled from laboratory rabbits, most under 2 years of age. So, that figure agrees very well with Greene's findings. When one starts looking at older rabbits the data drastically changes. Most of the veterinarians we've talked with seem to believe that this is very genetically controlled. _TBLR_ even lists breeds that are not susceptible to uterine cancer. While 80% may not be a figure for all rabbits, it was for that colony. Other colonies have had >50% incidence of cancer.


Many thanks to Laura Tessmer for researching the topic of uterine cancer.


Quelle: http://www.rabbit.org/care/bibliography.html
 


   

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